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Jobticket – es hätte bessere Lösungen für die Stadt gegeben

Donnerstag, 17. April 2014, 09:00 Uhr

Im letzten Haushalt wurde das von Oberbürgermeister Kuhn initiierte und im Gemeinderat umstrittene Jobticket beschlossen. Das sind über 4,2 Millionen Euro – bis zum Jahr 2018 sind 10,6 Millionen Euro dafür vorgesehen. Zwar unterstützt die CDU-Fraktion den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr, doch erkennt sie bei der städtischen Förderung des Jobtickets in erster Linie Mitnahmeeffekte durch diejenigen, die bereits im Besitz eines Firmentickets sind. Dies hat sie während der Haushaltsberatungen immer wieder deutlich gemacht. Die bereitgestellten Gelder von jährlich 2,1 Millionen Euro hätten ihrer Meinung nach besser eingesetzt werden können. Und tatsächlich belegen die jetzt vorliegenden Zahlen zum Jobticket mit der erhöhten Bezuschussung die seitens der CDU-Fraktion gemachten Vorhersagen.

Was die Nachfrage nach dem neuen Jobticket angeht, mit dem der städtische Mitarbeiter durchschnittlich 27 Euro im Monat an Zuschuss erhält, ist die erreichte Zahl von 1.727 zusätzlichen Nutzern durchaus beachtlich. Schaut man sich aber genauer an, was das Gros der Nachfrage ausmacht, dann müsste eigentlich auch die Verwaltungsspitze ernüchternd feststellen, dass die neuen Umsteiger der weitaus kleinere Teil sind – der Großteil der Profiteure des neuen Jobtickets sind diejenigen, die bereits bisher mit dem Firmenticket Bus und Bahn genutzt haben. Das sind 5.400 Nutzer. Der absehbare Mitnahmeeffekt ist damit tatsächlich eingetreten.

Die eigentlich bezweckte Wirkung, dass durch die höhere Bezuschussung deutlich weniger Autos in die Stadt fahren, tritt also nur bis zu einem gewissen Grad ein. „Und setzt man diesen „Erfolg“ ins Verhältnis, wird klar, dass jeder einzelne der 1.727 Neuumsteiger rund 1.500 Euro im Jahr an Zuschuss aus öffentlichen Mitteln für sein Ticket erhält. Denn die anderen Nutzer sind ja auch bisher schon mit Bus und Bahn unterwegs gewesen“, stellt Fraktionsvorsitzender Alexander Kotz fest.

Der Zuschuss ist enorm. Mit diesem Geld hätten effektvollere Maßnahmen in Angriff genommen werden können, die in erster Linie Pendlern, die nicht städtische Mitarbeiter sind, den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV erleichtern als den Menschen die ÖPNV-Nutzung noch schmackhafter zu machen, die bisher schon mit dem Firmenticket der Stadt gut gefahren sind. Denkbar gewesen wäre stattdessen auch etwa eine Maßnahme, die die umweltschonende Elektromobilität in der Stadt voranbringt. Dies hätte insgesamt mehr gebracht. Auch ein stärkerer Ausbau der Verkehrsleitzentrale für die intelligente Verkehrssteuerung wäre ein sinnvollerer Mitteleinsatz gewesen.

Dass auch verschiedene Unternehmen ein solches Ticket ihren Mitarbeitern anbieten beziehungsweise zukünftig anbieten wollen, ist begrüßenswert. Die Frage ist allerdings, ob es hierfür der Stadt bedurfte oder ob die interessierten Unternehmen dieses Angebot nicht auch so, also völlig unabhängig von den Aktivitäten der Stadt auf diesem Gebiet, ihren Mitarbeitern machen.

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